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«Die Fliegerei ist eine Welt für sich; ich fühle mich wohl darin» Auf die Verantwortung vorbereitet Sabine Zimmermann ist seit zwei Jahren lizenzierte Controllerin. Auch sie wurde im zweiten Teil der Ausbildung, dem learning on the job, von einem Coach begleitet. Er oder sie weicht dem Lehrling bei der Arbeit nicht von der Seite, steht für Fragen zur Verfügung, hilft in unsicheren Lagen und übernimmt selbst, wenn's brenzlig wird. Die Ausbildung am Arbeitsplatz bereitet die Controller optimal auf die grosse Verantwortung ihres Jobs vor. Und macht sie mit Eigenheiten bekannt, die kein Ausbildner seinen Schülern beibringen kann: «Das Englisch der Besatzung einer China- oder Korean-Maschine muss man einfach gehört haben», gibt Sabine Zimmermann ein Beispiel. Für sie waren die anderthalb Jahre mit Coach eine lange Zeit. Gegen Ende dieser Phase hätte sie immer öfter gewisse Situationen anders gelöst als der Coach, der wieder einmal übernommen hatte. Sie sehnte sich geradezu nach dem Moment, in dem hinter ihr keiner mehr sitzt. «Man wird so gut auf die Verantwortung vorbereitet, dass man sie will», sagt sie. Zweifel sind nicht zugelassen, Angst vor der Verantwortung wäre für Sabine Zimmermann ein Grund aufzuhören. Ein junger Mensch lotst Flugzeuge am Himmel aneinander vorbei - ein Fehlentscheid kann im Extremfall den Tod Hunderter von Menschen bedeuten. Doch sie sitzt da mit dieser tonnenschweren Verantwortung im Nacken und spricht von Emergency-Abläufen mit einer Selbstverständlichkeit, mit der andere vom Wechseln der Tonerkassette des Kopierapparates berichten. Alles scheint in Fleisch und Blut übergegangen zu sein, das Verhalten im Notfall so oft geübt, dass jede Phaser erfüllt ist von Wissen und Können. So sehr, dass der Adrenalinspiegel steigt, sobald auf dem Radar zwei Flugzeuge auch nur drohen, sich näherzukommen. Fünf Meilen und 1000 Fuss ist die Grenze. Was sich näher kommt, lässt im Körper eines Controllers sämtliche Alarmglocken schrillen. Selbst wenn noch längst keine Gefahr besteht. Der Drill der Ausbildung hat diese Grenze eingehämmert. Vier Wochen Emergency-Training. Vier Wochen Simulieren sämtlicher vorstellbarer Notfälle. Sabine Zimmermann wollte in einer solchen Simulation einmal ausprobieren, wie sie mit einer Situation unterhalb der fünf Meilen/tausend Fuss-Grenze zurecht käme. Sie durfte nicht. «Diese Grenze wird einem so sehr eingetrichtert, dass man nicht einmal daran denken darf, sie zu unterschreiten.» Fünf Meilen, 1000 Fuss. Die Grenze für die Sicherheit. «Ein paar Jahre nach der Ausbildung ist man in diesem Beruf am besten», weiss Sabine Zimmermann. Man habe die volle Kapazität, sei noch frisch und unverbraucht und habe doch scohn die nötige Erfahrung. Die Kompetenz, mit der sie erzählt, erklärt und antwortet, lässt an dieser Aussage keine Zweifel. Sie wirkt überlegt und betont rational, wenn sie von ihrem Beruf erzählt. Keine Schwärmereien, aber Begeisterung. Nicht in den Worten, aber in den Augen, in der Art, wie sie Details aus dem Berufsalltag sorgsam erklärt. «Die Fliegerei ist eine eigene Welt, ich fühle mich wohl hier.» |
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