ZIVILLUFTFAHRT
AIRLINES

Fliegen um des Fluges willen (2)
 

Ein Programm für Flugreisen der speziellen Art
Reisen wie vor 60 Jahren
Bruno Dobler
Propellerflugzeuge
sind out
Totalrevision unter behördlicher Aufsicht
Ein zweites Flugzeug
 
HB-ISB Die heutige HB-ISB im Juni 1977 als CF-TAS im Einsatz bei der kanadischen Air Caravane
 
Propellerflugzeuge sind out
Speziell solche mit Kolbenmotoren. Spätestens seit Anfang der sechziger Jahre, als die Jets bei allen grösseren Fluggesellschaften Einzug hielten, schlug das Ende der grossen, brummigen Airliner. Auch die DC-3, damals sowieso nur noch auf kleinen Nebenstrecken flugplanmässig eingesetzt, schien am Ende. Und tatsächlich: in den siebziger Jahren war es praktisch unmöglich, in Europa noch eine DC-3 zu finden, die für den Personentransport zugelassen war. Wer diesen unvergessenen Pionier des Luftverkehrs selber erleben wollte, musste auf anderen Kontinenten auf die Suche gehen. In Europa, und speziell der Schweiz, begann man, sich nach den rustikalen Tiefdeckern zu sehnen. Verschiedene Persönlichkeiten versuchten, einen kommerziellen DC-3-Flugbetrieb in der Schweiz ins Leben zu rufen. Die meisten gaben wieder auf. Einem der Unentwegten, Bruno Dobler, ging der Gedanke, in der Schweiz eine klassische Fluggesellschaft mit DC-3 zu betreiben, nicht mehr aus dem Kopf. Nach langen Abklärungen und Vor-bereitungen und einer langwierigen Suche nach einer brauchbaren Maschine wurde er, zusammen mit Freunden, in Kanada fündig. Bei der Fluggesellschaft Air Inuit in Montreal fand er eine passende C-47A-45DL (die genaue militärische Bezeichnung dieser DC-3). Sie war ständig im Einsatz, wies deshalb keine Standschäden auf und war gut unterhalten. 400'000 Schweizer Franken kostete das rotweisse Flugzeug mit Baujahr 1942. Nach einem sechs-tägigen Überführungsflug landete das rotweisse Flugzeug am 7. November 1985 um 15.30 Uhr, gesteuert von Bruno Dobler persönlich, auf dem Flugplatz Altenrhein. Nach mehr als 10 Jahren war wieder eine DC-3 in der Schweiz heimisch.
 
Totalrevision unter behördlicher Aufsicht
Mit der Ankunft des ersten Flugzeuges war natürlich noch keine Fluggesellschaft etabliert, und von einem kommerziellen Flugbetrieb konnte keine Rede sein. Zuerst einmal musste eine zweckorientierte Gesellschaft gegründet werden. Classic Air sollte sie heissen - einen passenderen Namen für ein solches Unternehmen konnte man sich fast nicht vorstellen. Das Gründungsdatum vom 17. Dezember 1985 ist nicht zufällig. Es ist der fünfzigste Jahrestag des Erstfluges der DC-3. Bis die neue Gesellschaft ihren Betrieb aufnehmen konnte, musste die DC-3 komplett überholt werden. Insbesondere das Cockpit wurde neu konzipiert und mit den modernsten Fluginstrumenten ausgerüstet. Die Kabine erhielt 28 Sitze aus einer DC-8 und eine Hutablage, im hinteren Teil wurde sogar eine Toilette installiert. Die letzte Hürde vor dem kommerziellen Einsatz war das Lärmzertifikat. Nach intensiven Messflügen erhielt die unterdessen mit der Immatrikulation HB-ISB versehene DC-3 als weltweit erste ihres Typs (zu früheren Zeiten gab es keine solchen Dokumente) ein Lärmzertifikat. Damit war der Weg frei für den kommerziellen Einsatz. Am 13. Mai 1986 erfolgte der erste davon, und zwei Tage später flogen die ersten zahlenden Fluggäste ins Ausland, nach Pescara, südlich von Rom.
 
DC-3
Wie vor sechzig Jahren: die beiden DC-3 der Classic Air (HB-ISC hinten, HB-ISB vorne) auf dem Flughafen Bern-Belp

 
Ein zweites Flugzeug
Es war klar, mit nur einem Flugzeug liess sich kein zuverlässiger Flugbetrieb durchführen. Deshalb kaufte die Classic Air eine zweite Maschine, Baujahr 1943, die am 22. Mai 1986 in Altenrhein eintraf. Es war die ehemalige Privatmaschine des Maharishi Mahesh Jogi von Seelisberg. Äusserlich unterscheidet sie sich durch die schwarze Nase und die breiten Panoramafenster. Diese waren seinerzeit beim Umbau zum Geschäftsreiseflugzeug eingebaut worden. Da sie nie im Linien- und Charterverkehr stand, wies sie relativ wenige Flugstunden auf. Auch sie wurde komplett renoviert und dann als HB-ISC im schweizerischen Luftfahrzeuregister eingetragen. Ursprünglich war geplant, als Reserve eine dritte DC-3 anzuschaffen. Da die beiden Flugzuge aber in ausgezeichnetem Zustand und bestens gewartet sind, ist ihre Zuverlässigkeit so gross, dass auf eine dritte Maschine verzichtet werden kann. Die seit nunmehr dreizehn Jahren ununterbrochen operierende Miniflotte beweist dies überzeugend.
 

 
     
© 1999, Medavia AG, CH-5242 Lupfig. Alle Rechte vorbehalten
Webdesign by Infofactory