PEOPLE
PORTRAIT

"Ein Flugzeug ist etwas Kostbares" (2)
 
Oberlin
Bruno Oberlin mit Herz bei der Arbeit
Von Lokomotiven zu Flugzeugen
Vom Flugzeugbau in den Unterhalt
Vom Mechaniker zum Manager
Persönlich
Lebenselixir Musik
Von Lokomotiven zu Flugzeugen
Dabei wollte er eigentlich Lokomotivführer werden. Noch anfangs der Lehre als Maschinenmechaniker fuhr er im Zug im Führerstand mit, selbst wenn er dafür einen Erstklass-Zuschlag zahlen musste. Und doch war sie immer da, diese Affinität zur Fliegerei, jene Faszination, der der kleine Junge auf dem Bild schon erlegen war. In der Schule schaute er heimlich unter dem Pult Fliegermagazine an; in der Freizeit baute er Modellflugzeuge und stellte er seine eigenen Heftli zusammen.
 
Was immer er in Zeitungen oder Zeitschriften zum Thema Fliegerei fand, schnitt er heraus, klebte es in das eigene Heft und schrieb einen Kommentar dazu. Wenn in den Schulpausen die Mädchen auf dem Pausenplatz flanierten, hockten Bruno Oberlin und seine zwei "Fliegerfreunde" auf einem Mäuerchen - und schauten sich Brunos neuste Fliegerhefte an. Wegen seiner Leidenschaft kam der sonst eher ruhige Schüler in arge Konflikte mit dem Lehrer: Einen halben Vormittag lang musste er einmal in der Ecke knien. "Wir waren in unsere Heftli vertieft und hatten nicht gemerkt, dass der Lehrer schon im Schulzimmer stand." Aus ihm werde nie ein guter Pilot, habe ihm der Lehrer noch an den Kopf geworfen...
 
Bruno Oberlin
Der kleine Junge und das Flugzeug - ein staunender Bruno Oberlin
Oder damals, als ganz in der Nähe ein Hunter abstürzte, der Pilot sich aber mit dem Schleudersitz retten konnte. Bruno suchte den Hunter, statt in die Schule zu gehen. Die Strafaufgaben nahm er in Kauf. Hatte er als Kind Modellflieger hauptsächlich um des Bastelns willen zusammengebaut, interessierte ihn später mehr das Fliegen - also liess er die Modelle vom Vater oder Bruder zusammenbauen. Er wollte sie nur fliegen lassen. Das tat er bald auch mit eidgenössischem Auftrag: Eines Tages rief sein Bruder aus der Rekrutenschule an und beorderte Bruno Oberlin samt seinen Modellflugzeugen nach Chur. Worum es ging, erfuhr dieser wohlweislich erst vor Ort. Seine Flugzeuge sollten für die Fliegerabwehrtruppe Zielflüge absolvieren. Taten sie dann auch und verhalfen dem Militär punkto Zielflüge mit Modellflugzeugen zu einer Premiere.
 
Vom Flugzeugbau in den Unterhalt
Nach der Lehre als Maschinenmechaniker trat er in Bleienbach seine erste Stelle als Flugzeugmechaniker an - am 1. Juni 1969. Und war gleich beim Bau des Swiss Trainer-Prototypen dabei. Sämtliche Einzelteile wurden in Eigenregie angefertigt. Der kleine Junge von damals kam dem Wunder des Fliegens näher. Erstmals war der junge Bruno Oberlin als Wochenaufenthalter in Langenthal von zu Hause weg. Und er lernte seine spätere Frau Lucia kennen. Sie war als Empfangsdame und Telefonistin in derselben Firma angestellt. "Ich hatte einige eifrige Konkurrenten, aber ich schaltete sie alle aus", erklärt Bruno Oberlin die Situation verschmitzt lachend.
 
Die beiden suchten eine gemeinsame Wohnung - und erzürnten mit ihrem Wunsch nach Zweisamkeit die zuständigen Stellen aufs Höchste. Ihr junges Glück passte nicht in die gesellschaftlichen Normen jener Zeit. Wer gemeinsam wohnen wollte, hatte zu heiraten. Erst als sie das Datum für die Hochzeit fixiert hatten, klappte es auch mit der Wohnung. Als unerwartet rasch das Projekt Swiss Trainer aufgegeben wurde, blieb Bruno Oberlin als Alternative die Arbeit an grafischen Maschinen. Er wusste: "Wenn ich dort gute Arbeit gemacht hätte, wäre ich nicht mehr weggekommen." Er wollte im Flugzeugbereich bleiben und fand in Lommis eine neue Stelle. Hier arbeitete er zum ersten Mal im Unterhalt.
 

 
     
© 1999, Medavia AG, CH-5242 Lupfig. Alle Rechte vorbehalten
Webdesign by Infofactory