Von
Lokomotiven zu Flugzeugen
Dabei wollte er eigentlich Lokomotivführer werden. Noch anfangs der Lehre
als Maschinenmechaniker fuhr er im Zug im Führerstand mit, selbst wenn er
dafür einen Erstklass-Zuschlag zahlen musste. Und doch war sie immer da,
diese Affinität zur Fliegerei, jene Faszination, der der kleine Junge auf
dem Bild schon erlegen war. In der Schule schaute er heimlich unter dem Pult
Fliegermagazine an; in der Freizeit baute er Modellflugzeuge und stellte er
seine eigenen Heftli zusammen.
Was
immer er in Zeitungen oder Zeitschriften zum Thema Fliegerei fand, schnitt er
heraus, klebte es in das eigene Heft und schrieb einen Kommentar dazu. Wenn in
den Schulpausen die Mädchen auf dem Pausenplatz flanierten, hockten Bruno
Oberlin und seine zwei "Fliegerfreunde" auf einem Mäuerchen -
und schauten sich Brunos neuste Fliegerhefte an. Wegen seiner Leidenschaft kam
der sonst eher ruhige Schüler in arge Konflikte mit dem Lehrer: Einen
halben Vormittag lang musste er einmal in der Ecke knien. "Wir waren in
unsere Heftli vertieft und hatten nicht gemerkt, dass der Lehrer schon im
Schulzimmer stand." Aus ihm werde nie ein guter Pilot, habe ihm der Lehrer
noch an den Kopf geworfen...

Der kleine
Junge und das Flugzeug - ein staunender Bruno Oberlin |
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Oder damals,
als ganz in der Nähe ein Hunter abstürzte, der Pilot sich aber mit
dem Schleudersitz retten konnte. Bruno suchte den Hunter, statt in die Schule
zu gehen. Die Strafaufgaben nahm er in Kauf. Hatte er als Kind Modellflieger
hauptsächlich um des Bastelns willen zusammengebaut, interessierte ihn
später mehr das Fliegen - also liess er die Modelle vom Vater oder Bruder
zusammenbauen. Er wollte sie nur fliegen lassen. Das tat er bald auch mit
eidgenössischem Auftrag: Eines Tages rief sein Bruder aus der
Rekrutenschule an und beorderte Bruno Oberlin samt seinen Modellflugzeugen nach
Chur. Worum es ging, erfuhr dieser wohlweislich erst vor Ort. Seine Flugzeuge
sollten für die Fliegerabwehrtruppe Zielflüge absolvieren. Taten sie
dann auch und verhalfen dem Militär punkto Zielflüge mit
Modellflugzeugen zu einer Premiere.
Vom
Flugzeugbau in den Unterhalt
Nach der Lehre als Maschinenmechaniker trat er in Bleienbach seine erste Stelle
als Flugzeugmechaniker an - am 1. Juni 1969. Und war gleich beim Bau des Swiss
Trainer-Prototypen dabei. Sämtliche Einzelteile wurden in Eigenregie
angefertigt. Der kleine Junge von damals kam dem Wunder des Fliegens
näher. Erstmals war der junge Bruno Oberlin als Wochenaufenthalter in
Langenthal von zu Hause weg. Und er lernte seine spätere Frau Lucia
kennen. Sie war als Empfangsdame und Telefonistin in derselben Firma
angestellt. "Ich hatte einige eifrige Konkurrenten, aber ich schaltete sie
alle aus", erklärt Bruno Oberlin die Situation verschmitzt lachend.
Die
beiden suchten eine gemeinsame Wohnung - und erzürnten mit ihrem Wunsch
nach Zweisamkeit die zuständigen Stellen aufs Höchste. Ihr junges
Glück passte nicht in die gesellschaftlichen Normen jener Zeit. Wer
gemeinsam wohnen wollte, hatte zu heiraten. Erst als sie das Datum für die
Hochzeit fixiert hatten, klappte es auch mit der Wohnung. Als unerwartet rasch
das Projekt Swiss Trainer aufgegeben wurde, blieb Bruno Oberlin als Alternative
die Arbeit an grafischen Maschinen. Er wusste: "Wenn ich dort gute Arbeit
gemacht hätte, wäre ich nicht mehr weggekommen." Er wollte im
Flugzeugbereich bleiben und fand in Lommis eine neue Stelle. Hier arbeitete er
zum ersten Mal im Unterhalt.
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