ZIVILLUFTFAHRT
BUSINESS AVIATION

Basel: BBJ bringt Arbeit (3)
 
Schreinerarbeit
Traditionelle Handwerksbetriebe
Designer sind gefragt
Auch Airbus bald in Basel
Dekorationsteile
Auch die einzubauenden Dekorationsteile müssen den vorgeschriebenen Belastungen von 9 G gewachsen sein
 
Designer sind gefordert
Jet Aviation beschäftigt eine ganze Abteilung von Designern, die beim Entwerfen der Inneneinrichtungen beigezogen werden können. Der Kunde kann aber auch selber einen Innenarchitekten bestimmen. Dieser muss aber fundierte Kenntnisse im Flugzeugbau besitzen oder aber eng mit den Gestaltern im Hause zusammenarbeiten. Im Gegensatz zu einem Wohnzimmer muss jeder Ausbauteil eine Belastung von 9 G aushalten ohne wegzubrechen. Für die Passagiersitzte gilt gar ein Lastvielfaches von 16 G. Realisierbar ist fast alles.
 
Oft werden in der hauseigenen Schreinerei aus Sperrholz sogenannte «Mock-Up's» (Kabinen-Attrappen) im Massstab 1:1 hergestellt. Trotz der 3D Programme auf dem Bildschirm des Designers sind gewisse Dimensionen erst vorstellbar, wenn man vor ihnen steht. Die ergonomischen Aspekte einer Bordküche zum Beispiel, sind auf dem Bildschirm nur beschränkt ersichtlich. Die definitive Einrichtung wird aus Honigwabenplatten (Honeycomb) hergestellt, die dann mit den unterschiedlichsten Materialien beschichtet werden können. In der Schreinerei wird Wert auf gutes Handwerk gelegt. Hier nehmen die Ideen der Planer Gestalt an. In der Sattlerei erhalten die Sitzmöbel Ihre Polster.

Die Realisierung einer BBJ Kabine in Einzelanfertigung kostet ca. 7-9 Millionen Dollar. Dieser Preis ist aber stark von den Wünschen des Kunden abhängig. Bei Aufträgen dieser Grössenordnung ist es üblich, dass ein Gewährsmann des Käufers vor Ort den Fortgang der Arbeiten überwacht. Dieser muss mit einer Entscheidungsbefugnis ausgestattet sein und jederzeit mit seinem Chef kommunizieren können. Nur so kann sichergestellt werden, dass keine Verzögerungen auftreten.
 
Aussenlackierung braucht Zeit
Die Designer helfen auch gerne bei der Planung der Aussenlackierung. Im hochmodernen und umweltkonformen Bemalungs-Hangar dauert es dann aber doch gute zwei bis drei Wochen bis die Boeing ihr definitives Aussehen erhalten hat. Die Lacke müssen in mehreren Schichten aufgetragen und dazwischen perfekt ausgetrocknet werden.
 
Zu guter Letzt muss die Maschine auch getestet (geflogen) und durch das Luftamt abgenommen werden. Der Lufttüchtigkeitsnachweis für den Typ wurde bereits durch Boeing gemacht. Zusätzlich dazu muss jedes Exemplar mit einer Zertifizierung der Inneneinrichtung versehen werden.
 
Auch Airbus bald in Basel
Wer heute einen Jet mit weltweiter Reichweite (Global Range) betreiben möchte, hat die Auswahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten. Auch Airbus hat mit dem Modell A-319CJ (Corporate Jetliner) eine Version als Busines Jet anzubieten. Das allererste Exemplar wird im September 1999 ebenfalls bei Jet Aviation ausgerüstet werden. Die Gulfstream V und die Global Express von Bombardier sind kleinere Maschinen mit gleichen Reichweiten. Boeing und Airbus sind leicht teurer als die Konkurrenz, sowohl in der Anschaffung wie auch bei den Operationskosten. Ihre Anforderungen an die Landepisten sind auch höher als bei den Konkurrenten. Dafür werden die Maschinen aber auch einen höheren Wiederverkaufswert haben, da eine Fluggesellschaft das Modell wieder zum Verkehrsflugzeug umbauen könnte. Da beide Typen weltweit verbreitete Flugzeugmuster sind, können auch Synergien bei Wartung, Unterhalt und dem Flugbetrieb genutzt werden.
 
Jet Aviation hat sich einen gute Position in einem umkämpften Markt erobert. Die Berufung als «BBJ Completion Center» ist nur der vorläuffig letzte Schritt eines langen Weges. Im Wettbewerb um die Aufträge zur Ausrüstung der Boeings liegt das Basler Unternehmen nicht schlecht im Rennen. Zur Zeit sind die ersten zwei Exemplare im Ausbau. Für ein Weiteres ist der Vertrag unter Dach und Fach. Die einzige Konkurrenzfirma in Europa dagegen hat bisher erst einen Abschluss verbuchen können. Zwei der Besteller waren allerdings bereits vorher zufriedene Jet Aviation Kunden.
 
Der Euro-Airport von Basel-Muhlhouse ist so international wie die Belegschaft der Jet Aviation und ihre Kundschaft. Sorgen bereitet nur der Platzmangel. Die Werft platzt aus den Nähten. Die Erweiterung der Hangarflächen ist nicht einfach. Dennoch hat das Unternehmen mit einer grosszügigen neuen Schreinerei und der Lackierhalle Investitionen gemacht, welche die Bindung an den Standort Basel belegen. Die Arbeiten an den Boeings und auch den anderen Typen sind intensiv. Die Aufträge haben eine hohe Wertschöpfung. Zur Vervollständigung eines BBJ benötigt man ca. 6-8 Monate. Nicht zuletzt dank der Aufträge für BBJ's ist die Arbeit für die nächsten zwei Jahre bereits gesichert.

 
 

 
   
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