PEOPLE
PORTRAIT

Ein Leben für die Fliegerei (3)
 
Ueli Bodmer
"Wie bringst Du diesen Flieger wieder heim?"
Der Tag hat nur 24 Stunden
"Und dann gings los wie noch nie"
Auf der Sonnenseite der Fliegerei
Persönlich
   
Airbus A310
Ueli Bodmer war bei der Einführung des Airbus A310 dabei, war Captain, Sim-Instruktor und Kontrollpilot
 
«Und dann gings los wie noch nie»
Mit 55 Jahren kam die Pension bei der Swissair. «Ich wollte sie», versichert Bodmer. Sie dauerte ganze 24 Stunden. «Und dann gings los wie noch nie.» Seine Augen funkeln beim Erzählen. Er reaktivierte die Fluglehrerlizenz, wurde Instruktor bei der Motorfluggruppe Zürich, Demo-Pilot und Fluglehrer auf PC-9 und PC-12 als Freelancer bei den Pilatus-Werken «Ich fühle mich verpflichtet, all das, was ich erlebt habe, all das, wovon ich profitieren konnte, nun weiterzugeben.» Nun erlebt Ueli Bodmer, wie die Abenteuer, von denen er als kleiner Junge geträumt hatte, wahr werden. «Was es heisst, allein im Cockpit eines PC-9, ohne Autopilot und Radar, während der Monsunzeit inmitten heftiger Gewitter von Osaka nach Buochs zu fliegen, das hätte ich mir nie vorstellen können.»
 
Oder da war die zweimonatige Demo-Tour mit dem PC-12 quer durch ganz Südamerika. Allein die happigen Abenteuer dort würden ein ganzes Buch füllen. Bodmer, der sich noch heute als «jungen Hund» bezeichnet, trocken: «Ich muss mich hin und wieder fürchten.» Als ob das alles nicht reichen würde, bildete Bodmer auch noch Nichtmilitärpiloten zu zivilen Vampire- und Venompiloten aus. Bei deren ersten Alleinflug war Bodmer «mindestens so stolz wie meine Schüler». Mit dem gegründeten Akroteam der zivilisierten Oldtimer-Jets nahmen sie gar an Flugmeetings teil. Heute allerdings fliegt Bodmer keine Jets mehr.
 
Auf der Sonnenseite der Fliegerei
Seit letztem Jahr ist Bodmer Präsident der Motorfluggruppe Zürich. Er wurde an der Generalversammlung in Abwesenheit gewählt, als er gerade mit dem PC-12 auf Demo-Tour war. Bodmer, der Manager. In einer Zeit, da mit JAR-FCL neue Vorschriften eingeführt werden, ist er herausgefordert. Und startet das Projekt Swiss Pilot School Association. Er ist federführend bei der Vereinigung von vier namhafen Flugschulen zu einer gemeinsamen Flying Training Organisation FTO, deren Präsident er wird. Und wie geht einer wie er mit Kritik, der er in diesen Ämtern ausgesetzt ist, um? «Bösartige, zerreissende Kritik nervt mich. Unfähigkeit oder Dummheit hingegen kann ich akzeptieren.» Bodmer, der Impulsive.
 
Was treibt diesen Mann, der 15000 Flugstunden im Buche stehen hat, so unermüdlich an? Ihn, dem im Fliegerärztlichen Institut ein Doktor einmal gesagt hat, er leide an einem pathologischen Flugwunsch? Ihn, der im geheimen eigentlich nicht älter werden will, der noch immer unsterblich bleiben möchte, der die Angst, einen Check mal nicht mehr zu bestehen, bisher einfach verdrängt hat? «Vielleicht sind es Selbstzweifel. Ich packe auch immer wieder Projekte an, bei denen ich am Anfang vor einer grossen Wand stehe, über die ich nicht hinwegsehe. Ich brauche den Adrenalinschub, muss den Teufel am Bart zupfen» sinniert er. Bodmer, der Philosoph? «Nein, ich bin einfach neugierig und hinterfrage viel.»
 
Wenn er auf die 42 schönen Jahre seiner Fliegerkarriere zurückblickt, würde er alles nochmals gleich machen. Kein Wunder, weiss er doch selber, dass er während der ganzen Zeit immer auf der Sonnenseite der Fliegerei stand. «Fliegen ist eine Lebensschule sondergleichen» weiss Ueli Bodmer aus Erfahrung. Schattenseiten? «In dieser Branche sind alle einander neidig.» Aber mit der nötigen Distanz kann er auch darüber lachen.
 
Und was hat der Mann, der sich noch immer als junger Hund fühlen will, mit dem Schwanz wedelt und jedem Ball nachspringt, auch wenn heute hin und wieder Kopf-, Rücken- oder Gliederschmerzen sich bemerkbar machen, noch für Visionen? «Heute mache ich alles, was mir Freude macht. Zum Beispiel einer neuen, jungen Generation von Piloten meinen Flugwunsch hinüberzubringen.» Ueli Bodmer, der junggebliebene Hund.
 
 

 
     
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