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![]() Wissen, was wo läuft: Seiler im Gespräch mit Konrad Farner Streben nach innerer Ruhe «Sälde» - mit diesem Wort, das heute nicht mehr in Gebrauch ist, habe der Schriftsteller Walther von der Vogelweide im Mittelalter jenen Gemütszustand der inneren Gelassenheit und Ruhe beschrieben. Nach eben dieser Sälde strebe er, erklärt Markus Seiler. Während seiner Transvalair-Zeit als SOACO-Direktor Technik in Gabon brauchte er eine grosse Portion davon: «Wenn Sie in Afrika arbeiten und keine Sälde haben, drehen Sie durch.» Und wieder dieses Lächeln um die Augen. Mit lokalem Personal, das zwar tüchtig ist, aber kaum das nötige Know-how besitzt, in Afrika einen Flugbetrieb zu führen, bedarf einiger Gelassenheit - und bewussten Umganges mit allem. «Ich lernte, mit den Ressourcen umzugehen», sagt Markus Seiler. Und er hatte einmal mehr eine Aufgabe, die nicht so leicht zu lösen war. Transvalair bedeutete für Markus Seiler nicht nur Afrika. Transvalair ist für ihn auch Synonym für eine wunderschöne Zeit im Wallis: Er genoss das Leben in einer «traumhaften Gegend», und die erste Tochter wurde geboren. Als sie vor dem Eintritt in die Schule stand, zog Familie Seiler in die Deutschschweiz. Markus Seiler wechselte von Transvalair zum Bund - nicht nur ein neuer Arbeitsplatz, sondern eine neue Arbeitsphilosophie. Die Herausforderung an der Arbeit in der Gruppe für Rüstungsdienste des EMD fand er in der Beschaffung der Tiger. Nach dem Tiger-Deal kam sie allerdings, die Langeweile. Zur richtigen Zeit trug die Verbindung zum Farner-Betrieb aus Transvalair-Zeiten Früchte: Seiler wurde nach Grenchen geholt, um drei bestehende Farner-Firmen zu einer Holding zusammenzufügen - die Gründung der Frachtfluggesellschaft Farner Air Transport AG und der Flugzeughandelsfirma AICO in Panama war quasi Seilers Zugabe. Spass gehört zum Leben Markus Seiler, das Arbeitstier? Der Manager, der Tag und Nacht arbeitet? Nicht doch. «Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit, sondern auch aus Spass», betont er, und: «Ich habe immer alle meine Ferien eingezogen.» Und Geschäft und Familie stets strikt getrennt. Als er bei der TEA in Basel arbeitete, blieb er in Worb wohnen: «Bei 100 Kilometer Distanz kam ich gar nicht erst auf die Idee, am Wochenende ins Büro zu gehen.» Den Begriff Arbeit als Negativum scheint er nicht zu kennen. Er definiert das Ganze andersherum: «Man muss doch tagsüber etwas machen, was einem Spass macht. Wenn man das Glück hat, eine Arbeit zu finden, die Spass macht, ist das umso besser.» Spass ist für ihn gleichbedeutend mit Herausforderung, mit Spannung und Abwechslung. Als jemand, der Routine verabscheut, liess er «nie etwas anbrennen», wie er sagt: «Wenn es langweilig wurde, ging ich.» Die Fliegerei als schnellebiges Geschäft schien für Markus Seiler prädestiniert. Seinen damaligen Entscheid, sich beruflich in die Branche zu vertiefen, bereut er nicht - trotz durchlebter Tiefen. Die Internationalität, die Kontakte, der andere Blickwinkel auf die Dinge des Lebens - das ist es, was ihn am Business fasziniert. Gabon, Australien, Rhodesien, Vietnam; Stationen, die nicht nur aus geografischer Hinsicht den Horizont erweiterten. «Wenn man Einblick bekommt in das Rechnungswesen einer vietnamesischen Airline, dann merkt man, wie hochentwickelt wir hier sind.» Selbst zu fliegen steht für ihn ausser Debatte, seit er bei der fliegerischen Vorschulung abgeblitzt ist und herausgefunden hat, dass fliegen-lassen angenehmer ist. «Ein Traum wäre noch, eine Airline in Mali oder Obervolta auf die Beine zu stellen», sinniert Markus Seiler und lächelt, «aber das ist ein sehr unrealistischer Traum.» Er hält gedankenvoll inne. «Oder als Fishing Guide in Kanada zu arbeiten.» Wieder eine kurze Pause. «Oder würde mir nach einer Woche langweilig?»
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