Ein
Batallion von Schutzengeln
Auch nebenberuflich und nach seiner Pensionierung gab Gaston Monod sein Wissen
als Fluglehrer weiter. Wer soviel fliegt und ausbildet, lernt auch die
Schattenseiten der Fliegerei kennen. «Meine Schutzengel haben hin und
wieder Überstunden gemacht», konstatiert er. In die
Selbstverständlichkeit, mit der er erzählt, mischt sich Erstaunen,
Ehrfurcht und immer wieder Dankbarkeit.
Vor drei Jahren etwa habe ihm «ein ganzes Batallion von Schutzengeln»
beigestanden. Es war an einer Gletscherflugprüfung, als er als Experte mit
einem Kandidaten auf dem Prüfungsflug unterwegs war; die letzte Landung
des Tages. Diffuse Lichtverhältnisse beim Landeanflug, kein Horizont mehr,
kein Boden mehr, nur noch weiss. Monod hatte seine Schüler stets gelehrt,
in solchen Situationen einen leuchtenden Gegenstand, einen Rucksack, eine Weste
oder ähnliches hinauszuwerfen, damit sie einen Bezug zum Boden hatten. Der
Prüfungskandidat tat es nicht. Beim ersten Versuch setzte die Jodel
Musquetier hart auf. Die Skier des Flugzeugs wurden beschädigt. Beim
zweiten Versuch, nachdem Monod das Steuer übernommen hatte, touchierte der
linke Flügel kurz vor dem Aufsetzen den Boden. Als das Flugzeug nach dem
Crash zum Stillstand kam, fehlten der Rumpf, der linke Flügel und einige
«Kleinigkeiten». Experte und Kandidat blieben unverletzt. Ein
Beobachter aus der Luft erzählte Monod später, dass sich das Flugzeug
am Boden mehrmals gedreht habe. «Als Prüfungsexperte trug ich die
Verantwortung», bekennt er, «ich war zu weit gegangen.»
Heute wirkt Gaston Monod nicht mehr als Fluglehrer. Was er dabei vermisse, sei
nicht das Fliegen, sondern der intensive Kontakt zu den Menschen. Er kneift die
Augen zusammen und blinzelt in die Sonne. Die Aussicht von Monods Wohnzimmer
hinaus auf das offene Feld ist so schön wie fliegen. Es hat Schnee. Auch
in Ecuvillens.
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