GESCHICHTE
ZIELSCHLEPPER

Der fliegende Fussgängerstreifen (2)
 

Ein unerwarteter Patzer
Der alte Neuling
Sackschlepper gesucht
Das Ende
Wenig Unfälle

Das an einem Stahlseil befestigte Schleppziel wurde im Einsatz mehrere 100 Meter hinter dem Flugzeug hergezogen

Sackschlepper gesucht
Anfangs der fünfziger Jahre hatten die C-36 als Frontflugzeuge ausgedient. Aber statt zum Schrotthändler wanderten 40 Maschinen in die Werkstatt. Die robusten Flugzeuge erhielten eine Vorrichtung für das Schleppen eines grossen Luftsackes als Ziel für die Fliegerabwehr und statt der Tarnfarbe ein silbern-rotes Farbschema. Für viele Jahre standen die alten Kämpfer nun im Dienste der Fliegerabwehr ­ bis die Motoren zu husten begannen. Pannen häuften sich, Reparaturen wurden zahlreicher und teurer. Es war klar, es brauchte Ersatz. Man sah sich um, holte gar einen aussichtsreichen Kandidaten (Fairey Gannet) in die Schweiz, um ihn auf Herz und Nieren zu prüfen, aber valabler Ersatz fand sich nicht.

Die lange Nase
«Was willst Du in die Ferne schweifen, sieh' das Gute liegt so nah'»: das Sprichwort bewahrheitete sich wieder einmal. Altersschwach war nur der Kolbenmotor des C-36, nicht die robuste Zelle. Liesse sich der Motor nicht durch eine Turbine ersetzen? Man hielt Ausschau nach einem solchen Triebwerk. Die Wahl fiel auf die Lycoming T-53, eine Turbine mit 1000 PS Dauerleistung bei einem Gewicht von 252 kg ­ nicht einmal die Hälfte des bisherigen Hispano HS 51. Das bedeutete schwerwiegende Auswirkungen auf die Schwerpunktlage des Flugzeuges. Um die Sache wieder ins Lot zu bringen, musste die Nase um 1,8 m verlängert werden. Zudem wurden viele Einbauten in den vorderen Rumpfteil verlegt.

Serien(um)bau
Die Erprobung des Prototyps C-509 schritt zügig voran und brachte auch optisch eine Veränderung: ein drittes Seitenleitwerk wurde eingebaut, um die Längsstabilität zu verbessern, was dem C-3605 prompt den Übernamen «Mini-Constellation» einbrachte. Eine Knacknuss bildete die Seilwinde, die 1500 bis 2000 m Stahlseil in kürzester Zeit ab- und aufspulen musste. Das Problem wurde mit dem Einbau eines hydraulischen Antriebes gelöst.

Im Juli 1969 ging die Prototypenerprobung zu Ende. Mit dem Beschluss, 23 Flugzeuge umzubauen, wurde die Schweiz zum einzigen Land, das ein 2. Weltkriegsflugzeug serienmässig auf Propellerturbine modifizierte. Mit einem auffälligen schwarz-gelben Anstrich versehen, dienten die Maschinen ab 1972 vor allem von den Flugplätzen Samedan und Sion aus der Fliegerabwehr als Zielflieger. Dabei zogen die Maschine einen vier bis sechs Meter langen Schleppsack von 0,8 Meter Durchmesser an einem Seil in 500 bis 600 Meter Distanz (für die Leichte Flab) oder 800 bis 1000 Meter (Mittlere Flab) hinter sich her. Die Flab-Soldaten schossen dann darauf.




 
     
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