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Gewalt an Bord
nimmt zu (4)
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Flight
Attendants sind gefordert
Am stärksten sind von dieser traurigen Entwicklung die Flight Attendants
betroffen. Sie müssen sich auf einem Langstreckenflug oft stundenlang mit
renitenten Passagieren abmühen. Von der Besatzung wird einerseits
erwartet, dass sie die Vorschriften im Interesse eines sicheren Flugverlaufes
konsequent durchsetzt; andererseits sollen sie möglichst Krisen mit
Fingerspitzengefühl entschärfen, bevor es zum Eklat kommt - eine
schwierige Aufgabe. Man lässt sie dabei nicht allein. Praktisch alle
Fluggesellschaften thematisieren heute das Problem der «Unruly
Passengers». Der Kunde ist zwar nach wie vor König, verliert aber
seine Krone, wenn er zum renitenten Fluggast mutiert. Bei eindeutigen
Fällen ist die Triage kein Problem. Was aber, wenn auch Flight Attendants
nach einem hektischen Tag nicht mehr so gut beim «Wegstecken» sind?
Im Büro von Vorgesetzten lässt sich der Konfliktverlauf meist nur
noch unvollständig nachvollziehen.
Die Häufung hat dazu geführt, dass die Reizschwelle heute klar
niedriger ist als früher. «Bei Verstössen gegen die Regeln an
Bord gewähren wir keine Toleranz», setzt Lisa Angiolelli, Chefin des
Kabinenpersonals von Easy Jet, den Tarif klar fest. Zwar wurde es mit dem
Beginn der Linienflüge Ende März deutlich besser. Bei der
Vorgängerin TEA Switzerland, die Charterverkehr betrieb, ging es weit
ruppiger zu, praktisch auf jedem Flug gab es einen Vorfall. «Wir setzen
voll aufs Training der Besatzungen und auf ein konsequente Haltung, die bei
Verstössen null Toleranz zulässt,» erklärt Lisa Angiolelli.
Die meisten Gesellschaften praktizieren das Dreistufensystem: erst die
mündliche, wenn dies nicht hilft, die schriftliche Verwarnung; Stufe drei
bedeutet, dass sich nach der Landung die Polizei um den Übeltäter
kümmert.
Wie reagieren? - diese Frage stellt sich nicht nur für die Flight
Attendants, sondern auch für den Bordkommandanten. Hier wird entschieden,
ob ein Passagier zurückgelassen wird oder, wenn der Krach an Bord
gefährliche Ausmasse annimmt, gelandet wird. Entscheide, die keine
Leichtfertigkeit vertragen und gemäss Patrick Gonzenbach eine enge
Zusammenarbeit mit der Kabinenbesatzung voraussetzen. Gut überlegt will
auch die Art sein, wie Unruhestifter behandelt werden: Auf einem Flug von
Bangkok nach Budapest verstarb ein renitenter Finne, nachdem er mit einer
Spritze beruhigt worden war. Das Mittel führte mit den bereits im
Körper befindlichen Drogen zum Kollaps.
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