THEMA
GEWALT

Gewalt an Bord nimmt zu (2)
 
Verspätung...
Schluckspechte reisen auf eigene Faust
Ein Gesellschafts-
problem?
Kein Problem bei Air Engiadina
Flight Attendants sind gefordert
Thema bei Aus- und Weiterbildung
 
warten beim Check-in Langes Warten am Check-in zehrt an den Nerven - für gewisse Leute ein Grund, den Frust mit Aggressionen abzubauen

Schluckspechte reisen auf eigene Faust
Nicht viel besser sieht es bei den meisten anderen aus. Balair/CTA Leisure AG hat zwar noch keine Schlägereien und auch keine Zwischenlandung wegen eines Randalierers im Logbuch. Ferienfreude lockert bei manchen die Sitten, andererseits sind die Mitreisenden in der Regel toleranter. Ronald Böhlen, zuständig für Sicherheitsfragen bei der Ferienfluglinie der SAirGroup, räumt ein, dass der Entscheid schwer fällt, jemanden an einem Ort zurückzulassen, der nur einmal pro Woche angeflogen wird. In fast allen Fällen spielt Alkohol eine Rolle, und zwar meist auf dem Rückflug. Nochmals kräftig auf den Putz hauen, lautet die Devise. Solche Ausrutscher bleiben aber nicht verborgen, die Reiseleiter kennen ihre Schluckspechte bereits und warnen das Check-in-Personal. So kürzlich in Kuba, wo Balair/CTA einen Heimkehrwilligen wegen Volltrunkenheit nicht an Bord liess. Auch die LTU lehnte ihn ab. Hier kommt es dann auf die Kulanz des Reisebüros an, ob die Rückkehr extra kostet oder noch in einer anderen Gruppe Unterschlupf gefunden wird. Dann natürlich nüchtern.

Vor 10 Jahren, so erinnert sich Jumbolino-Kapitän Matthias Schmid, waren «Unruly Passengers» bei Crossair kein Thema. Heute ist es leider anders. Der Verantwortliche für Sicherheit der Basler Airline unterschiedet zwei Kategorien: Die meist auf Ferienflügen agierenden «Hooligans», alkoholisiert oder sonstwie in «Hochform», mit niedriger Hemmschwelle, oft ohne bestimmtes Ziel unflätig ausrastend. Die anderen sind gestresste Passagiere, die geschäftlich unterwegs sind, vor der Reise bereits einiges einstecken mussten, eventuell noch mit einer Verspätung konfrontiert sind und dann in einer klassischen Staureaktion, meist ausgelöst durch eine Kleinigkeit, bösartig und zielgerichtet auf die Fluggesellschaft und ihre gerade anwesenden Vertreter losgehen. Nicht immer artet dies in einen Fall «Unruly Passenger» aus, wie es im Airline-Jargon heisst. Die Stimmung ist aber heute generell gereizter. Für Matthias Schmid ist es nicht zuletzt wegen der bei Crossair ausschliesslich weiblichen Flight Attendants wichtig, dass potentielle Unruhestifter möglichst gar nicht ins Flugzeug kommen. Oder dann die «Nachbehandlung» konsequent durchgeführt wird. So wie die Diebe der Sitzgurte jetzt ein Verfahren vor dem Bezirksgericht Bülach am Hals haben.



 
     
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