|
|
| PEOPLE |
 |
| PORTRAIT |
«Die beste
Zeit meines Lebens» (2)
|
Annette
Leuenberger mit ihrem Pferd Irish Glory
Schwerpunkt
Emergency
Annette Leuenberger ist eine Ausnahme. Sie wurde bereits mit 19 zur Ausbildung
zugelassen und erreichte erst im Laufe des Kurses das Mindestalter von 20. Sie
kam an einem Freitag von einem knapp dreimonatigen USA-Aufenthalt nach Hause -
am Montag sass sie in einem Swissair-Büro zur Vertragsbesprechung. Dort
wurde ihr auch eröffnet, dass sie also in zwei Wochen mit dem Kurs
anfangen könne. Das war Mitte Oktober 1998.
Als eine von 20 zukünftigen Flight Attendants, darunter fünf
Männer, trat sie am 30. November zum Uniformen-Anpassen an. Danach folgten
drei Wochen Schulung auf dem A320 und der MD11 in Theorie und Mock-up-Praxis.
Schwerpunkt der Ausbildung: Emergency. Druckverlust, Feuer, Rauch,
Wassernotlandungen, Evakuationen - alle Situationen wurden im Mock-up
geübt, für das Ditching wurden die Kursteilnehmerinnen und
-teilnehmer morgens um 7 Uhr ins Hallenbad gescheucht. Angesichts der vielen
Calls und Sicherheitshandgriffe wird klar, warum anfangs nur auf zwei
Flugzeugtypen geschult wird: Das Cabin Emergency Manual, das dicke Buch mit
sämtlichen Calls und vielem mehr, muss in Fleisch und Blut übergehen.
Jede Woche waren zwei Prüfungen angesagt. Wer beim ersten mal nicht
bestand, hatte eine zweite Chance. Aber nur eine. Annette Leuenberger, die
früher nie gerne gelernt habe, sagt heute: «Ich machte nichts anderes
als zu lernen. Man ist so begeistert, dass man extrem gerne lernt.»
 |
 |
| Nesthäkchen Annette auf dem Schoss ihrer ältesten
Schwester und «zweiten Mutter» Gabi, daneben die zweite Schwester
Senta |
 |
Nicht nur
blindes Auswendiglernen ist gefragt - ein Flight Attendant soll auch in
kritischen Situationen klar entscheiden können. Wenn es im Mock-up
plötzlich schüttelt, dröhnt und raucht, müssen die FAs, wie
sie sich in der Abkürzung nennen, entscheiden, ob eine Evakuation in der
betreffenden Situation überhaupt angezeigt ist.
Angst hatte Annette Leuenberger bisher nur einmal. Als SR 111 abstürzte,
weilte sie im Sprachaufenthalt in Amerika. Beim ersten Flug nach dem Absturz
innerhalb der USA habe sie einen Moment lang Angst gehabt, in das Flugzeug zu
steigen. Auch beim Heimflug von Denver aus, als es um die Überquerung des
Atlantiks ging. Heute sagt sie: «Der Job an Bord lenkt einen von solchen
Gedanken ab, man hat gar keine Zeit, um Angst zu haben.» Die MD-11 ist ihr
Lieblingsflugzeug. Ein anderer Aspekt beschäftigt sie eher: «Der Job
ist zwar anstrengend, die täglichen Routinearbeiten fordern mich geistig
aber eher wenig.» Schon hat sie Schulunterlagen für eine
Weiterbildung bestellt. Nur so, falls sie später einmal Zeit dazu habe.
|