PEOPLE
PORTRAIT

Eine Frage des Willens (2)
 
Markus Thöni
Ich habe immer zuviel überlegt
Unfälle rütteln wach
1999 - Jahr der Entscheidung
Der Leader trainiert die Neulinge
Persönlich
mit Sonnenbrille
Die Piloten-RS absolvierte Markus Thöni 1986 auf dem PC-7

«Ich habe immer zuviel überlegt»
Auf dem Flugplatz Meiringen sass Markus Thöni zum ersten Mal in einem Hunter: Ein kleiner Junge, dessen Grosseltern auf dem Flugplatz arbeiteten, hatte das Herz des Hallenwärters erwärmt und durfte, was kaum ein anderer durfte. In diesem Moment, im hochtechnisierten Cockpit der Militärmaschine, war das Interesse des kleinen Jungen geweckt.

Aber das war es auch schon. Zu vielfältig waren seine Interessen, als dass sich der junge Markus Thöni auf die Fliegerei festgelegt hätte. Sport stand damals schon ganz oben auf der Liste. Skifahren, Tennis, Velofahren, Fussball - im Laufe der Jahre kam eine Sportart nach der andern dazu. Und immer draussen. Als Junge spielte er wann immer möglich in der Natur, später machte er Sport im Freien.

Er braucht nicht zu sagen, dass er wohl für jede Sportart Talent hatte und immer noch hat. Er sieht so aus.

Beim FC Rothorn spielte er in der 4. Liga in jeder Position. «Ich war technisch nicht besonders gut, aber ich liebte es, das Spiel zu planen», sagt er. Ähnlich tönt es zum Thema Skifahren. Er habe halt an Rennen teilgenommen, sei aber nie gut genug für eine Karriere gewesen. «Ich habe immer zuviel überlegt», erklärt er, «ich habe nie einach nur gerade hinunterfahren können.»

Denker, der er war, suchte er auch geistig Beschäftigung und Abwechslung: Bücher, am liebsten verschiedene miteinander, und die Maturität. Die mit Latein. Dann ein Jahr Medizinstudium, wohlweislich mit bestandenem 1. Prope.

Und dann kam die Fliegerei: Fliegerische Vorschulung und RS. Für die Flieger-RS liess sich der Medizinstudent Thöni beurlauben - so hätte er wieder in die Studienwelt zurückkehren können, hätte das mit der Militärfliegerei nicht geklappt. Denn eigentlich wollte er nur wissen, ob man auch als Berner Oberländer die Ausbildung zum Militärpiloten schaffen könne. Ob man auch als vermeintlich langsamer Hinterwäldler aus der gemütlicheren Gegend der Schweiz für die Geschwindigkeit eines Militärjets geeignet ist und mit den Anstrengungen der Ausbildung zurecht kommt. Gewöhnt, seine Grenzen zu suchen und ein klein wenig zu überschreiten, wollte er einfach nur herausfinden, wie weit er wohl kommen würde. Die Fliegerei an sich war nicht das primäre Ziel, eher das Spiel um die Grenzen. Die schienen enttäuschend schnell erreicht: «Die erste Woche der FVS war Horror. Im Flugzeug wurde mir schlecht, meine Leistungen waren nicht gerade berauschend, und dauernd wurde ich angeschnauzt. Ich war es nicht gewohnt, soviel kritisiert zu werden.»
Was für eine Bilanz.
Er war kurz davor, zur zweiten Woche gar nicht erst anzutreten. Erst jetzt wurde aus dem Spiel Ernst. Der Ehrgeiz packte Thöni. «Wenn ich nicht gut genug bin, dann müssen mich schon andere rauswerfen, aber ich gebe nicht selbst auf», habe er sich gesagt und «Gas gegeben». Und plötzlich klappte es. Auch wenn er selbst nie so recht daran glaubte; er habe immer gedacht, «jetzt schnetzelt es mich dann». Eine Ausbildung auf dem Schleudersitz, der ihn nach seiner Einschätzung jeden Moment zurück ins Studentenleben katapultieren konnte.

Kaum hatte er sich daran gewöhnt, wohl doch nicht ins Zivilleben zurückzuwechseln, lockte die nächste geistige Herausforderung. 1991 hätte er die Möglichkeit gehabt, parallel zum Militär ein Studium zu absolvieren. Er hatte sich bereits für einen Wirtschaftslehrgang in Bern angemeldet, als die Anfrage kam: Der damalige Patrouille Suisse-Kommandant Hans-Ruedi Beck offerierte Markus Thöni einen Platz in der berühmten Kunstflugstaffel. Wieder liess er das Studium zugunsten derFliegerei sausen; beides wäre nicht zu vereinbaren gewesen. Eine Wirtschaftsausbildung holt er 1996/97 nach: Er absolviert den Bachelor of Business. Einerseits aus Interesse, anderseits als Sicherheit…



 
     
© 1999, Medavia AG, CH-5242 Lupfig. Alle Rechte vorbehalten
Webdesign by Infofactory