Mehr Respekt
vor Naturgewalten
Auch Swissair A320-Captain Erich Waldvogel, Chef
Motorflug in der Swissair- Sportfluggruppe SFS in Hausen am Albis und bis Ende
letzten Jahres Mirage- Aufklärer-Pilot in der Luftwaffe, stellt in Bezug
auf die Flugsicherheit bei Privatpiloten Defizite fest.
Im Zeitalter des Freizeitüberangebots drohe die Fliegerei zum
gewöhnlichen Sport zu verkommen. Waldvogel warnt vor Rausch und Plausch
beim Fliegen und beklagt die fehlende Interessentiefe bei der Fliegerei, was
sich zum Beispiel in einem Mangel an physikalischen, meteorologischen oder
geografischen Kenntnissen ausdrücke. Ein überdimensionierter Glaube
an eine allumfassende Machbarkeit von Technologie und Elektronik verringere den
Respekt vor den Naturgesetzen und ihren Gewalten.
Trotz modernster Flugzeugführungstechnik und neuzeitlicher Navigations-
und Flugsicherungs-Systeme bleibt der Mensch als Pilot das wichtigste Glied in
der Flugzeugführung. Er trägt die oberste Verantwortung für die
sichere Durchführung eines Fluges. Auch der Pilot eines einmotorigen
Kleinflugzeugs muss deshalb ähnliche charakterliche Eigenschaften
aufweisen wie der Captain eines Linienflugzeugs und die Verantwortung für
seine Passagiere, die Menschen am Boden und für sich selber und das
Flugzeug tragen.
Erich Waldvogel sieht in der heutigen Zeit einen weiteren Aspekt, der die
Flugsicherheit tangiert: die Rezession. Die Gelder sind knapp geworden, und
viele Piloten müssen zusehen, dass sie gerade noch das absolut
erforderliche Minimum erfliegen können. Das liegt für einen
Privatpiloten in der Schweiz bei lediglich zwölf Stunden im Jahr. Und das
ist sehr wenig. Ferner werden die Arbeitnehmer von ihren Firmen wegen der
wirtschaftlichen Situation mehr gefordert, was sich in verminderter Freizeit
und einer grösseren Beanspruchung der körperlichen, mentalen und
psychischen Kapazität ausdrückt. Dies wiederum ist einer vertieften
Beschäftigung mit dem gesamten fliegerischen Umfeld auch nicht gerade
förderlich.
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