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| THEMA |
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| FLUGMEDIZIN |
Das Herz, der
menschliche Motor: Ab 60 Jahren wird ein Belastungs EKG verlangt
Zuerst war das menschliche
Versagen
Der erste tödliche Unfall mit einer Maschine, die schwerer als Luft ist,
war auf menschliches Versagen zurückzuführen. Der Unfall-Pilot Otto
Liliental war wissenschaftlicher Grundlagenforscher, Konstrukteur und Pilot in
einer Person, also ein absolut ausgewiesener Experte der Luftfahrt, die er,
notabene, sozusagen selber «erfunden» hatte. 1891 begann Liliental
nämlich als erster Mensch mit Gleitflügen von einem Hügel in
Berlin. Bis zu seinem Unfall- und Todestag am 10. August 1896 absolvierte er
über 2000 erfolgreiche Starts und Gleitflüge. Dann unterlief dem
ausgewiesenen Routinier ein Fehler. Nach Augenzeugenberichten pflegte Liliental
jeweils in der Luft fast stillzustehen und mit den Zuschauern unter ihm eine
Unterhaltung anzuknüpfen. Nun, am Unglückstag dürfte er aus
Unaufmerksamkeit - oder Überschätzung der eigenen Möglichkeiten?
- zu lange still gestanden und geschwatzt haben. Jedenfalls kippte der Gleiter
aufgrund des Unterschreitens der Minimalgeschwindigkeit wegen Auftriebsverlust
ab.
Nachdem Wilbur und Orville Wright am 17. Dezember 1903 in Kitty Hawk, North
Carolina/USA, der erste Motorflug gelang, wurde das Forschen nach
Unfallursachen sukzessive zu einem festen Thema der Luftfahrt. Allerdings
beschränkte sich die Forschungsarbeit damals ausschliesslich auf die
aerodynamischen, physikalischen und technischen Gebiete. Erst nach dem ersten
Weltkrieg begann sich die Fachwelt mit dem Menschen, dem Piloten, als
Unfallverursacher zu befassen. Gleichzeitig setzte auch so etwas wie eine
Flugmedizin ein. Ab 1914 begann das Royal Flying Corps in Grossbritannien eine
ganze Reihe von Flugunfällen zu untersuchen und analysieren, die sich
während des Ersten Weltkriegs ereigneten und kam zu einem erschreckenden
Ergebnis: 2% Verlust durch Feindeinflüsse, 8% wegen technischer Defekte
und sage und schreibe 90% wegen menschlicher Einflüsse. Zu den
menschlichen Ursachen zählten in den Jahren 1914-1918 Tollkühnheit,
Sorglosigkeit, Fahrlässigkeit sowie körperliche und psychische
Mängel der Piloten.
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Mit der Blutentnahme wird der Zuckerwert bestimmt |
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Luftfahrtmedizin, unentbehrlich für
die Sicherheit
Aufgeschreckt
durch die Tatsache, dass nur 2% der Verluste durch Feindeinwirkung zu beklagen,
90% aber sozusagen selbst verschuldet waren, begann sich eine wissenschaftliche
und klinische Luftfahrtmedizin aufzubauen. Es ging darum, die physikalischen
Einflüsse auf den Organismus des Piloten, die körperliche und
geistige Unversehrtheit sowie die Besonderheiten menschlicher
Leistungsfähigkeit im dreidimensionalen Raum medizinisch zu erfassen und
die gewonnenen Erkenntnisse für die Selektion und die Betreuung von
Piloten umzusetzen. Auch wenn heute nicht mehr gerade 90% der Flugunfälle
auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen sind, so ist der Mensch
doch immer noch der grösste Risikofaktor im Regelkreis Mensch-Maschine.
Dies gilt in ganz besonderem Masse für die Luftfahrt. Aber die Variable
«Mensch» ist beeinflussbar, und das ist das Positive daran. Im
Gegensatz zur Automatisierung ist der Mensch flexibel und - in der Regel -
intelligent. Deshalb verzeich-net die heutige klinische Flugmedizin denn auch
grosse Erfolge. Sie kann beispielsweise mithelfen, das Verhalten von Piloten in
Bezug auf Geist, Psyche und Körper zu beeinflussen und somit
Leistungsverbesserungen zu erreichen. Die Flugmedizin ist aber auch in der
Lage, frühzeitig zu erkennen, ob sich jemand für das Führen
eines Flugzeugs eignet oder nicht.
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